Flüchtlinge zur Untermiete

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In enger Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen wie Malteser und Juvente vermittelt die Mainzer Initiative NEUESZUHAUSE Wohnungen an Flüchtlinge. Cityscouts sollen den Asylsuchenden helfen, sich schnell in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden.
Sara aus Eritrea hat es geschafft: Nach ihrem Aufenthalt in einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, hat sie eine Wohnung in Mainz gefunden, in der sie dauerhaft wohnen kann. Zusammen mit ihrer neuen Vermieterin wohnt die 31-Jährige jetzt in einer Frauen-WG.

Schaltstelle zwischen Vermietern und Flüchtlingen

Sara ist die erste Asylbewerberin, die in Mainz eine Wohnmöglichkeit von Alfons Schwiderskis Initiative NEUESZUHAUSE vermittelt bekam. Der Mainzer sieht sich selbst als Schaltstelle zwischen Vermietern und Flüchtlingen. „Ich habe den Eindruck, die Erstaufnahme in Mainz klappt einwandfrei. Doch auch die anschließende Unterbringung im Camp ist nur der erste Schritt und keine dauerhafte Lösung. Ich habe mich vor etwa einem halben Jahr gefragt, was der logische zweite Schritt ist, um Flüchtlingen ein neues Zuhause zu bieten“, sagt der Bauingenieur.
Seit vier Wochen ist nun die Homepage von NEUESZUHAUSE online und bietet Vermietern die Möglichkeit, ihre leerstehenden Räume und Wohnungen anzubieten. Flyer sollen für zusätzliche Informationen sorgen und die Initiative stadtweit bekanntmachen.
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Aktuell ist Schwiderski vor allem auf der Suche nach vermittelbaren Wohnungen. Es seien vor allem günstige Apartments oder WG-Zimmer geeignet. „Wichtig ist, dass Flüchtlinge langfristig nicht in eigenen Wohnsiedlungen an den Stadträndern untergebracht werden. Das Wohnen in normalen Wohnungen ist ein wichtiger Ausgangspunkt für gelungene Integration“, sagt Schwiderski.

Im Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen und Netzwerken habe Schwiderski gemerkt, dass viele Mainzer Hemmungen haben, Flüchtlinge aufzunehmen: Aus Angst, dass ein Flüchtling ausgewiesen wird und die Wohnung schnell wieder leersteht, oder wegen der Sprachbarriere. „Wenn wir eine Wohnung vermitteln, dann wird der Mietvertrag mit uns geschlossen.“ So gebe NEUESZUHAUSE dem Wohnungseigentümer Sicherheiten.Das Sozialamt überweise das Wohngeld an NEUESZUHAUSE, und die Initiative leite den vereinbarten Mietbetrag an den Vermieter weiter. „Wir übernehmen den Papierkram, vermitteln mit den sozialen Ämtern und suchen Flüchtlinge, die auch vom Charakter her in eine Wohnung passen.“

„Letzen Endes entscheidet der Vermieter, wen er bei sich wohnen lässt.“

– Alfons Schwiderski

Bei der Vermittlung wendet sich Schwiderski mit seinem Team an die Sozialarbeiter der Malteser und der Juvente, die derzeit die Mainzer Gemeinschaftsunterkünfte betreuen. Gemeinsam suchen sie einen geeigneten Untermieter. Berücksichtigt werden dabei Sprachkenntnisse, Alter und die Länge des bisherigen Aufenthalts in der Unterkunft. „Manchmal werden mehrere mögliche Mieter vorgeschlagen. Letzten Endes entscheidet der Vermieter, wen er bei sich wohnen lässt“, sagt er.

Cityscouts als Starthilfe

Außerdem sorgen bei NEUESZUHAUSE Cityscouts dafür, dass die Mieter sich schnell in der neuen Umgebung zurechtfinden. Sie zeigen ihnen Möglichkeiten auf, wo sie in der Nähe einen Sprachkurs besuchen, oder Kontakte, zum Beispiel in Vereinen, knüpfen können.
Für die Zukunft hat das Team von NEUESZUHAUSE weitere Pläne: „Ich halte derzeit schon die Augen offen nach Firmen, die bereit sind, Flüchtlinge einzustellen oder auszubilden, und kläre ab, was sie als Voraussetzung dafür sehen“, so Schwiderski.

Außerdem suche er nach Investoren für interkulturelle Wohnprojekte. „Viele Ideen sind noch Zukunftsmusik. In einer Stadt wie Mainz, wo der Wohnraum ohnehin schon knapp ist, kann eine Integration der Flüchtlinge aber langfristig so am besten funktionieren – und auch besser als in ländlichen Gegenden.“